Direktes Bild und Inverses Bild von D-Moduln

Konrad Voelkel

3. Juli 2009

Abstract Seien stets X,Y ∈ Top, f : X Y stetig und F∈ Sh∕X sowie G∈ Sh∕Y. Wir untersuchen nun, wie sich, mittels f, F als Garbe auf Y und G als Garbe auf X betrachten lässt. Danach führen wir diese Betrachtung für OX-Moduln auf geringten Räumen (X,OX) durch und schliesslich für D-Moduln auf Varietäten.

1 Direktes Bild und Inverses Bild von O-Moduln

Wir wiederholen bekanntes

f-1   f * Sh∕Y Sh∕X
Wir wollen das übertragen auf folgendes:
f*   f * OY-Mod OX-Mod
Und schließlich
i+   i+ Der(DY-Mod) Der(DX-Mod)

Das direkte Bild

Definition 1. Seien X,Y ∈ Top und f : X Y stetig. Dann ist f* : Sh∕X Sh∕Y mit (f*F)(U) := F(f-1(U)) ein Funktor, das direkte Bild von Garben. Auf Morphismen φ : F G ist f* definiert als f*φU := φf-1U.

Ist nun (X,OX) ein geringter Raum, so ist ein Morphismus von geringten Räumen eine stetige Abbildung f : X Y zusammen mit einem Garbenmorphismus f : OY f*OX in Sh∕Y.

Für einen OX-Modul M trägt f*M∈ Sh∕Y eine f*OX-Modulstruktur, wir erhalten also einen Funktor, das direkte Bild von OX-Moduln

f* : OX -Mod → f*OX -Mod.
Der Funktor f* auf Garben bzw. OX-Moduln ist linksexakt, denn f*Ff(x) = Fx und Kern- und Halmbildung bei einem Garbenmorphismus vertauschen.

Bemerkung.

  • Für c : X pt ist c*Γ(X,-) (Globale Schnitte).
  • Für i : pt Y mit y := i(pt) ist i*F= F(pt)(y) (Wolkenkratzergarbe).
  • Für i : A`→Y abgeschlossene Einbettung ist i*F ein exakter Funktor, wie man auf Halmen sieht.
  • Für j : U`→Y offene Einbettung können auf ∂j(U) Halme dazu kommen, daher ist j* nicht rechtsexakt.

Das inverse Bild

Definition 2. Seien X,Y ∈ Top und f : X Y stetig. Dann ist f-1 : Sh∕Y Sh∕X der Funktor, den wir naiv (f-1 G)(U) := G(f(U)) definieren wollen. Allerdings ist f(U) i.A. nicht offen, daher definieren wir das inverse Bild von Garben

        (                  ) +
 -1
f  G := (U  ↦→  ---li-m---→ G (V ))
               f(U)⊆V⊆∘X
(wobei wir die Garbifizierung + durchführen müssen, weil i.A. sonst nur eine Prägarbe dabei herauskommt).

Auf Halmen gilt (f-1 G)x - ~Gf(x), daher ist f-1 ein exakter Funktor.

Seien (X,OX), (Y,OY) nun geringte Räume und (f,f) : (X,OX) (Y,OY) Morphismus von geringten Räumen. Ist G∈OY-Mod, so ist f-1 G∈ f-1OY-Mod, aber i.A. kein OX-Modul. Daher definieren wir das inverse Bild von OX-Moduln

f* : OY -Mod → OX -Mod,  f*G := f-1G   ⊗  OX
                                    f-1OY
(wobei OX ein f-1OY-Modul ist, daher das Tensorprodukt dieser Garben definiert ist). Der Funktor f* ist i.A. nur noch rechtsexakt, da das Tensorprodukt mit OX über f-1OY i.A. nur rechtsexakt ist. Wenn dieses Tensorprodukt exakt ist, heißt OX flach über f-1OY bzw. f ein flacher Morphismus.

Bemerkung.

  • Für c : X pt ist c-1 G die konstante Garbe mit Schnitten G(pt) auf X.
  • Für c : (X,OX) (pt,R) ist c*M = ΔM ∈OX-Mod (Lokalisierung).
  • Für i : pt Y mit y := i(pt) und G∈ Sh∕Y ist i-1 G≡Gy (Halm).
  • Für i : (pt,R) (Y,OY) und G∈OY-Mod ist i*G≡Gy.
  • Für i : A Y abgeschlossene Einbettung ist i* exakt.
  • Für j : U Y offene Einbettung ist (j*G)(V) G(j(V)) für V U.

2 Direktes und inverses Bild von D-Moduln

Links- und Rechts-D-Moduln Für An können wir einen Antiautomorphismus definieren: φ : An - ~ An, der Xi↦→Xi und i↦→- i zur Definition hat. Man rechnet nach, dass φ die Kommutatorrelationen erfüllt und eine Basis auf eine Basis abbildet, damit ist φ ein Isomorphismus von Ringen. Das liefert eine Methode um An-Linksmoduln mit An-Rechtsmoduln zu identifizieren (via twisten mit φ).

Zurückziehen von D-Moduln

Ein erster Versuch

Definition 3. Sei π : X Y ein Morphismus von algebraischen Varietäten. Wir definieren den Funktor π+ : DY-Mod DX-Mod.

Zunächst lokal, also für X,Y affin und einen DX-Modul M setze

π+ (M  ) := R(X) ⊗  M
              R(Y)
und erkläre eine DX-Operation auf π+(M) durch
                                           (               )
 ′          ′                                ∑
f(f⊗ m ) = ff⊗ m,     ξ(f⊗ m ) = ξf⊗ m  + f     ξ(xi)⊗ ∂im
                                              i
wobei (xi,i) ein Koordinatensystem in DY sein soll und f∈ R(X) sowie ξ ∈ Der(X).

Für allgemeine Varietäten definieren wir nun

π+(F ) := OX  ⊗   π-1(F)
            π-1OY
wobei die Operation von DY affin so wie auf DY definiert sein soll.

Achtung: bei Bernstein heißt dieser Funktor πΔ.

Beispiel 1. Wir schauen uns die Operation am Beispiel des D-Moduls der holomorphen Funktionen H auf 1an, die auf zurückgezogen werden. Es ist

π+H (ℂ ) = O ℂ(ℂ)   ⊗     π-1H (ℂ)
                π-1O ℙ1ℂ(ℂ)
= ℂ[X]O 1⊗π(ℂ))H π(ℂ )
       ℙ ℂ
= ℂ [X ] ⊗ H π(ℂ)
      ℂ [X]
Lassen wir nun den Differentialoperator ∈ D() auf ein Element des zurückgezogenen Moduls X2 h wirken, so ist das per definitionem:
∂(X2 ⊗ h) = (δX2 )⊗ h + X2(∂(x)⊗ ∂h )
            2    ′
=  2X⊗ h + X  ⊗ h
Also eine Variante der Kettenregel.

Eine elegantere Definition

Definition 4. Seien X,Y glatte Varietäten und φ : X Y Morphismus. Dann setze

DX →Y := φ *(DY ) = OX   ⊗   φ-1DY  ∈ (OX, φ -1DY )- Mod.
                      φ-1OY
Sind X und Y affin mit Koordinatenringen R(X) und R(Y), und nennen wir die globalen Schnitte von DY hier D(Y), so führt das auf:
DX →Y := Γ (X, DX →Y) = Γ (X, OX ⊗ φ -1DY ) = R(X ) ⊗ D (Y)
                             φ -1OY               R(Y)

Lemma 1. Man kann zeigen, dass es auf DXY eine natürliche DX-Linksoperation gibt, die verträglich mit der Links- und Rechtsmodul-Struktur ist. Damit ist DXY sogar ein (DX-1DY)-Bimodul.

Dazu betrachtet man die Garbe der Differentialoperatoren auf DXY. Diese operiert auf DXY und enthält Differentialoperatoren auf der ersten Komponente OX. Betrachten wir nur die Differentialoperatoren, die zugleich Endomorphismen von φ-1DY sind, so erhalten wir eine Garbe, die isomorph ist als Garbe filtrierter Ringe zu DX. Darüber ist dann die Operation erklärt.

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Lemma 2. Seien X,Y,Z glatte Varietäten und φ : X Y und ψ : Y Z Morphismen. Dann gilt:

DX →Z ≃  DX→Y   ⊗   φ -1DY→Z.
              φ -1DY
als (OX,(ψ φ)-1DY)-Bimoduln, wie man leicht nachrechnet und, mit etwas mehr Aufwand, als (DX,(ψ φ)-1DY)-Bimoduln.

Bemerkung 1. Im Falle einer offenen Einbettung j : U`→X ist DUX DX|U DU als (DU,j-1DX)-Bimoduln und damit auch DUX flach über DU, was relevant wird fürs direkte Bild.

Definition 5. Seien X,Y glatte affine Varietäten und φ : X Y Morphismus. Setze

φ+ : DY -Mod → DX -Mod,     φ+ (M  ) := DX→Y  ⊗ M      inverses Bild
                                            DY
φ+  : DX -rMod →  DY-rMod,     φ+ (N) := N  ⊗ DX →Y     direktes Bild
                                         DX
dann sind φ+ und φ+ rechtsexakte Funktoren.

Lemma 3.

                  -1         -|
DX →Z ≃ DX →Y ⊗  φ  DY →Z.   --
              DY

Korollar 1.

   +    +          +                                -|
(φ   ∘ψ  ) = (ψ ∘ φ)    und    (ψ+  ∘φ+ ) = (ψ ∘φ )+  --

Definition 6. Für glatte nicht notwendig affine Varietäten setzen wir nun

φ+ : DY -Mod → DX -Mod,     φ+ (V ) := DX →Y  ⊗  φ -1V     inverses Bild
                                           φ-1DY
und das ist ein rechtsexakter Funktor.

Vorschieben von D-Moduln

Definition 7. Seien nun wieder X,Y glatte Varietäten und π : X Y Morphismus.

Da nicht alle Funktionen integrierbar sind, Distributionen aber schon, sollten wir einen Funktor π+ : DX-rMod DY-rMod suchen (denn Distributionen sind als Dual von Funktionen natürlicherweile Rechts-D-Moduln).

Wir setzen

π+ (H ) := π*(H ⊗ DX →Y )
               DX
wobei π* ein direktes Bild in der Kategorie der Garben sein soll. Diese Definition trägt das Problem mit sich, dass DXDXY rechtsexakt ist und π* linksexakt, der Funktor π+ somit also weder links- noch rechtsexakt ist.

Wir wollen daher zur derivierten Kategorie übergehen:

                 L
π+ (H ) := Rπ *(H  ⊗ DX →Y )
                 DX

Lemma 4. Für eine offene Einbettung i : U`→X ist DUX = DU und daher i+ V= Ri*V.

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Satz 1 (Kashiwara). Sei i : A`→Y eine abgeschlossene Einbettung. Die Funktoren i+ : DA-Mod DY-AMod und i+ : DY-AMod DA-Mod sind zueinander invers und eine Äquivalenz von Kategorien.

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3 Beispiele

Beispiel 2. Die einfachsten Beispiele erhalten wir nun durch zurückziehen und vorschieben entlang konstanter Abbildungen sowie Projektionen auf einen Punkt. Wie bei Garben finden wir hier altbekannte Funktoren wieder.

Beispiel 3. Das Zurückziehen eines D-Moduls G auf 1entlang der Inklusion eines Punktes i : {z0}`→1ist gegeben durch

i+G =  D         ⊗  i-1 G = O      ⊗  i-1 G.
        {z0}→ℙ1 i-1D 1         {z0}i-1O 1
                  ℙ                 ℙ
Es ist Γ({z0},O{z0}) = und i-1 G≡Gz0 der Halm.
       +
Γ ({z0}, i G) = ℂO ⊗1  Gz0 = Gz0.
                 ℙ,z0
Damit hat der Halm via i+ eine D{z0}-Modulstruktur bekommen.

Beispiel 4. Wir betrachten den Rechts-D-Modul der holomorphen Funktionen V auf und die Koordinatenabbildung j : A11mit z↦→z. Das Vorschieben ist gegeben durch

j+(V) = π*(H ⊗DX DX→Y )
und die Schnitte über j() und den offenen Teilmengen sind genau die holomorphen Funktionen auf der Karte. Für offene Mengen, die den Punkt enthalten, ergibt sich aber etwas neues: Sei V 1 mit ∈ V. Dann ist
                                -1                  -1
j+V (V) = π*(VD⊗X DX →Y )(V ) = V (j V )D (⊗j-1V )DX→Y (j  V)
                                      X
Die Mengen j-1V sind nun Teilmengen von , die eine beschränkte Menge nicht enthalten. Betrachtet man den Limes der Mengen V (immer kleinere V), so erhält man als Urbilder unter j Teilmengen von , die immer größere beschränkte Teilmengen nicht enthalten. Da eine holomorphe Funktion entweder konstant ist oder betragsweise gegen geht für |z| → ∞, besteht der Halm von j+ V bei gerade aus den konstanten Funktionen, also , sowie den Keimen stetiger Funktionen, die außerhalb von holomorph sind.

4 Anhang

Eigentliche Abbildungen

Definition. Eine stetige Abbildung f : X Y heißt eigentlich, wenn Urbilder von Kompakta wieder kompakt sind.

Lemma. X ∈ Top kompakt c : X pt eigentlich.

Ist X kompakt und Y Hausdorffraum, so ist jedes f : X Y eigentlich und abgeschlossen. Das macht die Theorie in der differentialgeometrischen Variante deutlich einfacher.

Geringte Räume

Definition. Ein geringter Raum ist ein Paar (X,OX), wobei X ∈ Top (ein topologischer Raum) und OX ∈ Ring∕X (eine Garbe von Ringen auf X) ist. Morphismen von geringten Räumen sind Paare (f,f) mit f : X Y stetig und f : OX f*OY Garbenmorphismus.

Quasikohärente und kohärente Garben

Definition. Sei X eine Varietät (oder ein Schema) und M∈OX-Mod (eine Garbe von OX-Moduln). Dann heißt Mquasikohärent, wenn

  1. für X affin: MΔM für ein M ∈OX(X)-Mod
  2. sonst: falls für jeden Punkt eine affine offene Umgebung existiert, die 1 erfüllt.

Definition. Sei X eine Varietät (oder ein Schema) und M∈OX-Mod. Dann heißt M kohärent, wenn

  1. für X affin: MΔM für ein M ∈OX(X)-Mode.e. (e.e. = endlich erzeugt).
  2. sonst: falls für jeden Punkt eine affine offene Umgebung existiert, die 1 erfüllt.

Lemma. Natürlich sind kohärente OX-Moduln stets quasikohärent. Sowohl die kohärenten als auch die quasikohärenten bilden eine abelsche Kategorie.

Differentialoperatoren

Definition. Sei X eine Varietät über k. Ein k-linearer Endomorphismus D : OX(U) OX(U) heißt von Ordnung k, wenn für alle f ∈OX(U) der Operator [D,f] von Ordnung k - 1 ist. D heißt von Ordnung 0, wenn [D,f] = 0 für alle f ∈OX(U). Ist ein Endomorphismus D : OX OX für alle affinen U X von endlicher Ordnung, so heißt D Differentialoperator. Im affinen Fall n ist die Menge der Differentialoperatoren genau An(), die Weylalgebra. Im allgemeinen Fall bilden die Differentialoperatoren eine OX-Modulgarbe auf X, die wir mit DX bezeichnen.

Direktes und inverses Bild mit kompaktem Träger

Definition 8. Seien (X,OX), (Y,OY) geringte Räume und (f,f) : (X,OX) (Y,OY) Morphismus von geringten Räumen. Dann ist f! : Ab∕X Ab∕Y der Funktor, genannt direktes Bild mit kompaktem Träger (f!F)(U) := {s ∈ (f*F)(U) |  supp s kompakt}. Dabei ist supp s = {x ∈ U | sx0} der Träger. Auf Morphismen macht f! das selbe wie f*, nur eingeschränkt auf die jeweils kleineren Definitionsbereiche. Damit ist f! Unterfunktor von f*, deshalb ist f! i.A. auch nur linksexakt.

Für einen OX-Modul M trägt f! M natürlich eine f*OX-Modulstruktur, aber sogar eine f!OX-Modulstruktur. Damit definiert f! einen Funktor, das direkte Bild mit kompaktem Träger von OX-Moduln

f! : OX-Mod → f!OX -Mod
Und f! auf OX-Mod ist linksexakt.

Bemerkung.

  • Für c : X pt ist c! Γc(X,-) (Globale Schnitte mit kompaktem Träger).
  • Für i : A`→Y abgeschlossene Einbettung ist i! = i*.
  • Allgemein ist für jede eigentliche Abbildung f : X Y stets f! = f*.

Definition 9. Zum Funktor f! : Sh∕X Sh∕Y betrachten wir den Rechtsderivierten Rf! : Der(Sh∕X) Der(Sh∕Y) und nehmen dazu den rechtsadjungierten Funktor, den wir außerordentliches inverses Bild von Garben f! = Rf! : Der(Sh∕Y) Der(Sh∕X) nennen. I.A. hat f! keinen Rechtsadjungierten, daher gibt es f! i.A. nur auf den derivierten Kategorien.

Das funktioniert analog für f! : OX-Mod OY-Mod, wir erhalten auch hier ein außerordentliches inverses Bild Rf! : Der(OY-Mod) Der(OX-Mod).

Bemerkung.

  • Für i : A Y abgeschlossene Einbettung ist i! nur linksexakt.
  • Für j : U Y offene Einbettung ist j! = j*, also gibt es j! auch ohne derivierte Kategorien und j! ist exakt.